Schottland – ein regnerisches Abenteuer

Wir merken, dass wir wieder im Alltag sind. Vor allem stellen wir fest, dass wir schon wieder ein Jahr zu Hause sind. Die Realität hat uns definitiv wieder… Wir haben keine Zeit (oder auch Lust), die Bilder unserer Schottlandreise auszusortieren, zu bearbeiten, zu beschriften und zu posten. Der Grund dafür ist ganz einfach: Zu viel Arbeit am PC! Nach ein paar SMS, vor allem von Reisefreunden, stieg der Druck immer mehr an. Und heute, sechs Wochen nach unserer Rückkehr, hört ihr endlich von uns und unserem regnerischen Abenteuer in Schottland.

1’500 Kilometer in zwei Tagen
Nach einer extrem anstrengenden Arbeitswoche packen wir am Samstag, 31. Juli den Bus und entscheiden uns, vor der Abfahrt noch ein paar Stunden zu schlafen. Und so startet unser Abenteuer um 2.30 Uhr in einer gewittrigen Sommernacht. Am Mittag sind wir nach endlosen 750 französischen Autobahnkilometern in Calais und lassen die strengen Zollkontrollen aufgrund der schlimmen Flüchtlingssituation über uns ergehen. Das Meer ist ruhig und so landen wir sicher aber hundemüde auf unserem ersten Camping in Ashford südlich von London. Jetzt erst mal schlafen, damit wir gerüstet sind für die zweite Monsteretappe. Auch diese überstehen wir trotz Linksverkehr einigermassen sicher. Aber es ist schon ein Umgewöhnen. Auf der Autobahn geht das ja noch. Aber auf Nebenstrassen, Kreiseln und Kreuzungen erleben wir immer wieder Schreckmomente und weichen auch mal auf die falsche Seite aus. Remo nennt dies den „Continental Reflex“. Irgendeine Ausrede müssen wir für unser Verhalten im britischen Strassenverkehr ja haben…

Schottland begrüsst uns ohne Vorwarnung und eher unhöflich mit üblem Wetter. Und es soll noch schlechter werden, prophezeit uns der Tankwart mit wunderbar schottischem Akzent. Leider sollte er Recht behalten. OK, nur jetzt nicht die Stimmung verderben lassen. Also ziehen wir rasch weiter auf die Insel Mull. Und siehe da: Nach einer regnerischen Nacht begrüsst uns der nächste Morgen mit Sonnenschein. Die Rundfahrt um die Insel ist dann auch ein Traum. Fast keine Menschen, extrem viele Schafe und wilde unberührte Natur. So muss es sein.

Stürmische Tage
Das Inselhopping gefällt uns. Und da Schottland riesig, wir viel sehen wollen und unsere Ferienzeit begrenzt ist, ziehen wir weiter auf die Insel Skye. Nach einem bier- und whiskyintensiven Abend in einem echten schottischen Pub mit Liveband gelangen wir nach Uig. Das ist der Ausgangspunkt auf die Äusseren Hebriden. Und dahin wollen wir unbedingt. Aber es ist Samstag und alle Fähren sind ausgebucht. Am Montag um 5.30 Uhr wäre noch Platz frei. Obwohl es uns widerstrebt, während den Ferien so früh aufstehen zu müssen, buchen wir diesen Platz und fahren ein paar Kilometer der Küste entlang auf einen Camping. Der Inhaber warnt uns vor: Es sei Sturm angesagt. Für mindestens zwei Tage! Er zeigt uns, wie wir stehen sollen, damit unser Aufstelldach optimal im Wind ist. Kaum haben wir uns gemütlich eingerichtet, kommt dieser Sturm. Es windet – und wie! Wir glauben, seit Patagonien windmässig gerüstet zu sein. Aber das war ein Irrtum. Der Sturm tobt mit etwa 150 km/h ununterbrochen. Keine Böen oder so – einfach vollgas. Wir müssen zuschauen, wie rund um uns alle ihre Zelte abbrechen müssen. Entweder sind die Zelte bereits beschädigt oder konnten gerade noch gerettet werden.

Wieder mal am Ende der Welt
Am Sonntag fahren wir zurück nach Uig und erfahren, dass der Fährbetrieb für heute eingestellt wurde. Wir lassen uns versichern, dass wir trotzdem am nächsten Morgen die Fähre nehmen können, was uns bestätigt wird. Also übernachten wir direkt in der Wartelinie am Fährhafen. Um vier Uhr geht es los: Die Tickets werden kontrolliert. Ein Hafenhelfer teilt uns dann freundlich mit, dass wir leider nicht auf diesem Schiff Platz haben. Wir seien auf die 14 Uhr Fähre umgebucht worden. Wer Conny in so einer Situation bereits einmal erlebt hat weiss, dass sie sich dies nicht einfach gefallen lässt. So steht sie mit verschlafener Frisur aber wachem Geist am Ticketschalter und lässt sich erklären, wieso sie uns umgebucht haben, ohne uns etwas mitzuteilen. Wir waren ja die ganze Zeit hier am Hafen und hätten kontaktiert werden können. Sie hätten es telefonisch versucht, war die Antwort. Ich hatte aber nie einen Telefonanruf auf meinem Handy. Die Argumentation schien auch die Beamten nicht zu überzeugen und so sassen wir eine halbe Stunde später in der Lounge auf dem Schiff und genossen unseren Kaffee und den Sonnenaufgang auf hoher See. Diese Hartnäckigkeit haben wir sicher auch in Südamerika gelernt. Denn ohne kommt man im Leben nicht weiter.

Auf den Äusseren Hebriden kommen wir uns fast vor wie am Ende der Welt auf Feuerland. Nichts, nichts und nochmals nichts. Natürlich hat es Schafe, denn irgendwo her müssen die ja die Wolle für den bekannten Harris-Tweed haben. Uns gefällt es auf Harris und Lewis. Endlich spielt auch das Wetter wieder mit. Nach dem Sturm ist die Sicht klar und die Farben wirken fast unnatürlich satt.

Shopping in Edinburgh
Nach unserem Ausflug auf die Äusseren Hebriden fahren wir wieder Richtung Süden, geniessen die liebliche Landschaft in der Mitte Schottlands und fahren bis Edinburgh – unser grosses Ziel am Ende der Reise. Wir verbringen zwei tolle Tage mit ausgiebigem Shopping und gehen gut Essen. Eine tolle Stadt, in der es eigentlich gemütlich zu und hergeht. Aber es ist Festival-Zeit: An jeder Strassenecke geben Künstler ihr Können zum Besten. Es ist ein richtiges Gewusel. Trotzdem bleibt die Stadt überschaubar und die Leute sind sehr freundlich.

Alles in allem hat uns Schottland sehr gut gefallen. Vor allem die Natur hat viel zu bieten. Unser einziges Problem war die Zeit. Für nur drei Wochen so weit zu fahren, war doch ein wenig zu viel. Auch für uns. Nun warten wir hier auf den Winter und freuen uns auf die gemütlichen Abende, wo wir neue Reisepläne schmieden können.

Auf bald
Conny und Remo

Fazit:

  • Drei Wochen Ferien sind schlicht und einfach zu wenig
  • Wir vermissen das Unterwegssein
  • Schlechtes Wetter trübt irgendwann die beste Stimmung
  • Es hat sich gelohnt, erneut viel Geld in unser Büssli zu stecken – der Bus läuft super!
  • @Iris und Stefan: Willkommens-Whisky steht bereit. Wir freuen uns auf eure Heimkehr!
01 in Calais warten auf die Fähre nach Dover
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