Ecuador rauf und runter

Wir hatten viele Pläne. Wir wollten nach Kolumbien. Es kam anders. Nun aber schön alles der Reihe nach.

Wir tuckern gemütlich der schönen Pazifikküste entlang, geniessen das Meer und das süsse Nichtstun. Aber wir leiden auch ein wenig unter der schwül-heissen Luft hier in Ecuador. Sogar nachts fällt das Thermometer selten unter 25 Grad (gefühlt aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit ca. 35 Grad). Connys Geburtstag verbringen wir in Salango auf einem wunderbaren Camping eines Schweizers, wo wir uns gemütlich einrichten und ein paar Tage Ferien machen.

Nach gut einer Woche Küste zieht es uns wieder in die Berge. Wir freuen uns auf eine Abkühlung. Am 14.4. starten wir am Morgen auf Meereshöhe und fahren ins Landesinnere. Dann beginnt der Anstieg! Und es geht höher und höher. Bis plötzlich der Motor abstellt und sich nicht mehr starten lässt. Es ist fünf Uhr abends und unser nächstes Übernachtungsziel zum Greifen nah. Leider nur fast. Ein Ecuadorianer schleppt uns die letzten 200 Höhenmeter (natürlich nur gegen Entgelt) bis zum höchsten Punkt ab. Dort, auf 4’000 Metern Höhe, müssen wir wohl oder übel übernachten, weil so spät kein Abschleppdienst mehr aufzutreiben ist. Nur ein paar Mechaniker finden den Weg vom Dorf zu uns. Es ist bereits dunkel. Licht machen sie mit ihren Handys. Wir haben nicht gewusst, wie viele Köpfe auf einmal in unseren Motorraum passen… Es sind, wenn „Mann“ ein wenig zusammenrückt, genau fünf!! Da wir beide nicht wissen, was unsere Mechaniker von Beruf sind, überrascht es uns auch nicht, dass ihr Einsatz erfolglos bleibt. Wir schauen morgen weiter. Es wird eine saukalte Nacht und die Lastwagen brausen an uns vorbei. An Schlaf ist kaum zu denken. Obwohl wir so hoch oben sind, ist unsere Stimmung an einem Tiefpunkt angelangt.

Am nächsten Mittag kommt endlich ein Abschleppdienst, der uns in die nächste Stadt bringt. Unser Auto wird bei einem Mechaniker abgeladen, wo es Remo beim Anblick der „Garage“ fast übel wird. Trotzdem: Wir geben Estévan eine Chance und versuchen, das Auto wieder zum Laufen zu bringen. Nach zwei anstrengenden Tagen ist es geschafft. Der Bus läuft. Zwar weiss niemand genau wieso, aber Hauptsache er läuft wieder. Wir vermuten, dass die Kombination aus schlechtem Benzin und grossen Höhenunterschieden das Auto überfordert hatten. Wie auch immer: irgendwie hat uns der Mut ein wenig verlassen. Und weil wir unbedingt noch Kanada und die USA bereisen wollen, bevor unser Büssli allenfalls ganz den Geist aufgibt, haben wir uns entschieden, die Verschiffung ab Ecuador bis Vancouver in die Wege zu leiten.

Während wir die Verschiffung mit ITS aus Reinach organisieren, fahren wir doch noch bis Quito. Es ist ja nicht mehr weit. Remo stellt nochmals den Zündzeitpunkt ein bisschen anders ein und siehe da: Der Motor läuft wieder rund. Da wir noch Zeit haben, fahren wir ganz in den Norden bis über den Äquator nach Ibarra zur Finca Sommerwind, wo wir es uns richtig gutgehen lassen. Wir bleiben ein paar Tage, bevor wir uns langsam Richtung Guayaquil auf machen.

Und dann kommt der Tag der Verschiffung: Um 8.30 treffen wir Josep von der Speditionsfirma Schryver aus Guayaquil. Ein sehr engagierter, aufmerksamer und zuvorkommender Mensch. Wir fahren zum Hafen und Josep organisiert den Einlass für uns zwei und unser Büssli ins Hafengelände. Damit dieser Einlass gewährt wird, muss man in Vollmontur, d.h. Stahlkappenschuhe, Helm und Sicherheitsweste, am Eingang erscheinen. Doch zuerst geht es zur Polizei in die Drogenkontrolle. Die wollen aber unser Auto nicht sehen, sodass wir schneller als gedacht ins Hafengelände fahren können. Hier fangen die Probleme an: Remos vorab gescannter Fingerabdruck findet der Beamte im System nicht. Was heisst das? Nochmals zurück ins erste Büro, Fingerabdruck nochmals scannen, dann zurück zum Hafeneingang, auf eine andere Wage stehen, weil dort der Scanner besser funktioniert, nur um nach unzähligen Versuchen die Übung abzubrechen und alles handschriftlich auszufüllen.

Die Technik verlässt uns ein zweites Mal an diesem Tag. Die Terminvereinbarung mit den Zollbeamten erfolgt elektronisch. Leider beherrschen nicht alle Beamten das moderne System. Dies mag der Grund sein, weshalb der Zöllner zum eigentlich vereinbarten Zeitpunkt nicht auftaucht. Und wie wir feststellen mussten, lässt sich ein Zöllner ohne Termin auch nicht so leicht herlocken… Josep hatte langsam aber sicher genug. Jetzt muss er handeln und verschwindet für die nächsten zwei Stunden. Um ca. 17 Uhr trifft er endlich mit dem Zöllner im Schlepptau ein und die Kontrolle kann stattfinden. Kurz vor 18 Uhr ist dann alles geschafft, der Bus verladen, alles festgezurrt und der Container verplombt. Nach vier Stunden warten in dieser Hitze haben wir nur noch ein Ziel: ein grosses kühles Bier zur Feier des Tages!

Unser Südamerikaabenteuer ist somit vorbei. Morgen fliegen wir nach Costa Rica in die Ferien, wo uns Connys Papi besuchen wird. Ende Mai nehmen wir in Vancouver unser Büssli wieder in Empfang und freuen uns auf die Entdeckung des Nordens!

Pura vida!
Conny und Remo

Fazit:

  • Ab und zu muss man auch auf einer Weltreise eine Entscheidung fällen.
  • Es gibt immer eine Lösung.
  • Auch mit fast 70 Jahren kann man extrem spontan sein (wir freuen uns sehr auf dich, Papi!)
So entsteht ein Post: Hier im Restaurant des Farallon Dillon.
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7 Gedanken zu „Ecuador rauf und runter

  1. Ihr macht F E R I E N???? ;o))
    Na dann geniesst es!
    Herzliche Grüsse aus dem frühlingshaften Heidiland!
    P.S. So einen Hut hätte ich auch gerne…..

    • Reisen ist nicht wie Ferien. Haben es ziemlich streng mit der Organisation der Weiterreise! Deshalb sind ein paar Tage Ferien nie schlecht ?

  2. Hoi Zäme
    Ja dann sehen wir uns bald in Canada? Conny, die Stahlkappenschuhe, Hosen und der gelbe Helm stehen Dir sensationell :-).

    Liebe Grüsse Marie-Therese

    • Ich nehme die Sachen aber nicht nach Kanada mit…? Es ist sehr zu befürchten, dass wir uns bald sehen! Wir freuen uns schon sehr?

  3. einige Tipps:
    – was dich nicht kaputt macht das stärkt.
    – wer geniessen will muss auch leiden können.
    – lerne zu klagen ohne zu leiden.
    usw

    bei uns ist spargelzeit. leicht bewölkt,22 °, weissweintemperatur 8°

    Gruss
    Dani

  4. Hab Euch ein email geschickt, ist aber wieder zurückgekommen, geht anscheinend nicht? ich lebe jetzt in British Columbia und kann Euch evtl. helfen falls ihr wieder Probleme mit dem Bus haben solltet. Ich fahre hier selber T3, und kenne die Szene recht gut. Falls ihr in der nähe seid, würde es mich auch freuen Euch zu treffen. shoot a short message to me…buen viaje!

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